Wie ein Friseurbesuch mein Leben veränderte

Ich bin recht behütet aufgewachsen. Als es noch keinen Vater in meinem Leben gab, wuchs ich bei meinen Großeltern auf, die beide – wie meine Mutter – voll berufstätig waren. Meine ersten Jahre verbrachte ich teilweise in einem Tageskinderheim und teilweise versteckt bei meiner Oma unter dem Schreibtisch in einer Oberfinanzdirektion.

Dann heiratete meine Mutter und ich „durfte“ in einer „richtigen“ Familie aufwachsen. Ich bekam fast über Nacht einen Adoptiv-Vater und kurze Zeit später einen kleinen Bruder. Ich weiß nicht, ob mein Versteck unter dem Schreibtisch des großen Finanzamtes dafür verantwortlich war, dass mein 1. Mann ein Finanzbeamter war, aber ich war glücklich und wie man so schön sagt: „gut und sicher“ verheiratet. Das ging auch eine ganze Zeit lang gut, ich bekam 2 wundervolle Töchter, wohnte in einem kleinen Haus am Stadtrand mit großem Garten, arbeitete im Betrieb meiner Eltern und baute mir „nebenher“ eine erste Selbstständigkeit als Gesundheitsberaterin auf.

Mein Leben war geordnet, regelmäßig und fast ein bisschen bieder, aber ich wurde von vielen beneidet um mein Haus, meinen Job, meine Kinder – und darum, dass alles so gut lief. Wir waren die typische Vorzeige-Familie. 20 Jahre lang ging das gut, bis mein damaliger Mann kurz vor unserem 20. Hochzeitstag entschied, dass er das Haus verkaufen, mich verlassen und ein neues Leben mit einer – natürlich viel jüngeren Frau – beginnen möchte.

Und dann ging alles Schlag auf Schlag. Mann weg, Haus weg, Job weg, denn der Betrieb meines Vaters ging pleite und meine Mutter starb an einem tragischen Unfall.

Da stand ich nun mit meinen 2 Mädels, einer wackeligen Selbstständigkeit und mit einem großen Haufen Restschulden vom Haus und Betrieb. Ich erinnere mich noch an einen Morgen im August: Ich hatte endlich eine bezahlbare Wohnung gefunden und es gab an diesem Morgen und nach einer der zig-schlaflosen Nächte nur 2 Möglichkeiten: Ich geh zum Psychologen – oder zum Friseur. Warum ich mich tatsächlich für den Friseur entschieden habe, kann ich heute nicht mehr sagen, entweder war ich damals schon zu sehr im Stress, um auch nur ansatzweise rational denken zu können, oder es war ein Wink des Schicksals. Denn während ich unter der Trockenhaube saß und eine typische Frauenzeitschrift las, fiel mir ein Bericht in die Hände von einer Anti-Stress-Akademie.

Ich wäre am liebsten mit nassen Haaren aus dem Salon gerannt um sofort zu telefonieren.

GENAU DAS war die LÖSUNG! Ich lasse mich zum Antistress-Trainer ausbilden! Dann würde ich mir selbst am besten helfen können. Mit zittrigen Händen und aufgeregter Stimme, aber mit neuer Frisur rief ich sofort in der Akademie an. Die Dame war sehr freundlich, aber dann nannte sie mir die Ausbildungs-Gebühren und mein Herz sank mir vor Enttäuschung in die Hosenbeine. Es summte und brummte in meinem Kopf, ich konnte kaum noch ein Wort verstehen. DAS sollte die Lösung sein? Niemals würde ich das bezahlen können.

Doch dann passierte etwas Seltsames!

Ich sah mich selbst im Flur stehen und konnte mich beobachten und gleichzeitig doch spüren. Seit Monaten konnte ich mich endlich wirklich spüren, all mein Leid, meine Traurigkeit, meine Hoffnung, aber auch meine Wut, meine Verzweiflung. Und dann formten sich ein paar Sätze in mir, die mein komplettes Leben verändern sollten:

JETZT BIN ICH DRAN. JETZT BIN ICH WICHTIG. JETZT MUSS ICH AN MICH DENKEN

Und ich hörte mich selbst zu der Dame am Telefon sagen: ICH KOMME. ICH BIN DABEI. Danach sollten noch viele Ausbildungen folgen.  Ganz ehrlich, wie ich das finanzierte, weiß ich heute nicht mehr. Ganz weit hinten in meinem Kopf sind noch ein paar Erinnerungen an diese Zeit vergraben: Meine Nachtschichten in einer Fabrik, meine Mittagschichten an einer Tankstelle und meine Frühschichten bei der Post. Aber eines weiß ich heute noch, all diese Jobs haben mich darin unterstützt, „auf dem Boden“ zu bleiben, kein spiritueller Überflieger zu werden. Keine „Selbstfindungs-Tussi“.

In dieser Zeit gab es 2 Ziele: Ich wollte meinen Kindern eine starke und beständige Mutter sein, und ich wollte endlich Verantwortung für mich selbst übernehmen und für mich einstehen.

Es war nicht einfach, aber ich war (fast) immer (öfter) bei mir. Und ich begann, keine Versprechungen mehr zu machen, die ich nicht einhalten konnte und schon gar keine, die ich nicht einhalten wollte.  Ich stellte mich dem Leben und hörte damit auf, „die Arme“  und das Opfer meiner Umstände zu sein.

Ich war ständig auf der Suche nach dem Leben und nach Antworten, warum das Leben tickt so wie es tickt.  Ich hörte nie auf mit dieser Suche und bildete mich ständig weiter. Und ich sammelte in den letzten fast 20 Jahren Erfahrungen und Lebensgeschichten von weit über 1200 Menschen.

Was ich dabei fand?

Mein eigenes bedingungsloses Ja zum Leben, das ich heute an viele Frauen weiter geben kann. Und die Überzeugung, dass es am tiefsten Punkt immer wieder nach oben geht.

Silke-Steigerwald-3-web

Als selbstständige Seminarleiterin biete ich seit vielen Jahren Workshops und Urlaubs-Seminare für Frauen an, in denen du alltagstaugliche Lösungen entdeckst, die du einfach und sicher umsetzen kannst.  Seminare, die dich deinen eigenen Weg finden lassen – ohne dein gesamtes Leben zu hinterfragen oder komplett auf den Kopf zu stellen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass alles im Leben Sinn macht, auch wenn sich manchmal (scheinbar) nur Unsinn zeigt. Ich weiß, dass es immer einen Weg gibt, egal wie eng das Labyrinth ist. Und ich weiß, dass in uns Frauen kraftvolle Reservoirs sind, die endlich ins Fließen und bestenfalls zum Übersprudeln kommen wollen.

Nimm auch du Platz ein in deinem Leben. Bleib nicht da sitzen, wo es am einfachsten oder vielleicht auch am schwierigsten ist, sondern da wo DU am lebendigsten bist. Dein Leben gehört Dir. Es ist Zeit, deinen Platz zu finden und dann auch einzunehmen. WEIL DU WICHTIG BIST!

 


3 thoughts on “Wie ein Friseurbesuch mein Leben veränderte

  1. elaria says:

    Wow das klingt nach einer bewegten wunderbaren Geschichte!! Find ich toll wie du es geschrieben hast und du kannst wirklich stolz auf dich sein, was du da geschafft hast! Hab über Sandra hyllas blog deinen Artikel gefunden. Es passt grad gut für mich denn ich bin mal wieder am hadern und zaudern wie es weitergeht. Das annehmen meines Weges und das Verantwortung über nehmen für mein leben! Deine Geschichte macht mir Mut und gibt Zuversicht!! Danke dir!! Liebe grüße von elaria

  2. Beatrix says:

    Liebe Silke,
    sehr beeindruckend dein Lebensweg und wie du alles gemeistert hast. Ich finde es wunderbar, dass du in Seminaren nun deine Erfahrungen ganz praxisnah weitergibst.
    Weiterhin viel Erfolg und Glück,
    Beatrix

  3. Sarah says:

    Liebe Silke,
    das hat mich jetzt von den Socken gehauen! Danke, dass du das mit uns teilst und was für ein schönes Beispiel dafür, wie kraftvoll die eigene Geschichte ist und wohin einen der größte Unsinn im Leben sinnvollerweise bringt.
    Danke!
    Alles Liebe
    Sarah

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