Von Zweifel-Karussells und der Frage: Warum willst du denn perfekt sein?

Vor ein paar Tagen fragte mich die liebe Elke Schwan-Köhr von federführend media, ob sie mich für ihre Blog-Serie „federführend fragt“ interviewen dürfte.

„Ha, wer kann dazu schon nein sagen?“ dachte ich mir, und spontan wie ich bin, sagte ich natürlich sofort zu.

Ein paar Stunden später kamen die ersten Zweifel… „Ich und Kamera, du lieber Himmel, das geht gar nicht.“ Und sofort gab mein Zweifel-Karussell so richtig Gas. Kennst du das auch?

Ich vergleiche so ein Zweifel-auf-und-ab immer mit den Berg-und Tal-Karussells, die es früher auf allen Jahrmärkten zu finden gab. Du schaust fasziniert auf die lachenden Gesichter, traust dich dann endlich auch einzusteigen, fieberst dem Startschuss entgegen und die gequetschte Stimme der Ansage dröhnt:  „Hallo, hallooooo, seid ihr alle gut drauf???? Gleich geht’s loooooos, Türen schließen uuuuuund ab geht’s in eine neue Runde Uiiiiih…. Deine Haare fliegen dir ins statt aus dem Gesicht,  der Fahrtwind drückt dich nicht weg sondern direkt auf deinen Nebensitzer……

Und du merkst, ausgerechnet dann, wenn du da drin sitzt, dass die Berg- und Talbahn jetzt auch noch rückwärts fährt…..

Doch zurück in die Gegenwart, hinein in mein Gedanken-Karussell, das mich mit Vollgas in meine eigene gedankliche Auf-und Abwärtsfahrt katapultierte:

Aufwärts: Alles gut, ich mache meinen Job jetzt seit 20 Jahren und ich kann doch problemlos vor 200 Leuten sprechen 🙂

Abwärts: Aber i schwätz schwäbisch 🙁

Aufwärts: Na und, ich kann mich ja anstrengen 🙂

Abwärts: Aber ich mag keine Kameras 🙁

Aufwärts: Toll, ich darf übers Bloggen reden, und warum ich das mache 🙂

Abwärts: Aber ich bin doch kein bekannter Blogger 🙁

Aufwärts: Das könnte eine gute Chance sein 🙂

Abwärts: Aber ich könnte mich verhaspeln 🙁

Aufwärts: Das kann man bestimmt rausschneiden 🙂

Abwärts…… Aufwärts…. Abwärts aufwärts…. meine Zweifel kamen so richtig in Fahrt und ließen sich fast nicht mehr anhalten.

Zum Glück fiel mir irgendwann ein, was ich meinen Klienten rate, wenn sie in so ein Gedanken-Karussell kommen:

STOP! Stell dir ein STOP-Schild vor. Bremse dieses Auf und Ab sofort aus. Atme durch, lenk dich ab und überlege später nochmal.

Und vor allem: Glaube nicht alles, was du denkst!!!

Wie oft kommen Menschen zu mir, die sich immer und immer wieder selbst hinterfragen, weil ihnen irgendjemand eingehämmert hat, dass sie

  • noch nicht gut genug,
  • noch nicht weit genug,
  • noch nicht schön genug,
  • noch nicht reich genug und
  • was weiß ich was noch nicht sind.

Mir begegnen fast täglich Menschen, die einfach nicht in ihre Kraft finden, weil sie glauben, dass sie

  • erst noch mehr lernen müssen,
  • erst noch ihr Ego ablegen müssen,
  • erst noch meditieren müssen oder sogar
  • erst noch was beweisen müssen.

Und all diese Menschen wurden in ihrem Selbstvertrauen erschüttert, weil sie irgendwann gehört haben:

  • Du kannst das doch nicht machen!
  • Das kannst du doch nicht bringen!
  • Das kannst du dir nicht erlauben!
  • Das kannst du nicht verlangen!
  • Wie willst du das bezahlen!
  • Sei doch nicht so egoistisch!
  • Da bist du schon zu alt!
  • Die anderen können das besser!

Dabei sind das immer Menschen, die tagtäglich Unglaubliches leisten und schon so viel geleistet haben.

Aber keiner glaubte daran, dass sein Bestes immer genügt. Im Gegenteil, die Selbstzweifel nagten an ihnen wie Blutegel, ihre Ideen versandeten „am Strand des nicht-gut-genug-Seins“, und ihre Lebensfreude versiegte jeden Tag ein Stückchen mehr, weil sie noch immer nicht den „äußeren Vorgaben entsprachen, und ihre Kraft verschwand hinter der Vorstellung noch besser und noch perfekter zu werden.

Warum um Himmels Willen, wollen wir eigentlich immer PERFEKT sein?

 

Und: Wer bitte, gibt eigentlich die Maßeinheit „PERFEKT“ vor?

 

Und vor allem: wer bitte sind die Experten, die uns vorgeben, wie wir PERFEKT sind oder sein sollten?

 

Ich merke schon seit geraumer Zeit, dass es immer weniger wirklich authentische Menschen gibt. Alles unterliegt mehr und mehr einem gewissen Trend.

Die Masse vereinheitlicht sich!

Selbst in meinem Business merke ich, dass ich ständig kopiert werde. Ideen- und Text-Diebstahl sind an der Tagesordnung und macht es für Andere scheinbar einfach. Ich persönlich finde das total schade, denn dadurch geht so viel Authentizität des Einzelnen verloren.

Immer wieder lese ich, dass es wichtig sei, sich möglichst einfach zu duplizieren und schnellstmöglich alle Prozesse zu optimieren. Mit dem Ergebnis:

Die Qualität des Einzelnen verschwindet mehr und mehr in der Quantität der Masse.

Dabei wissen wir doch alle, dass Quantität immer die Qualität vernichtet! (Ich werde dazu ein anderes Mal mehr darüber schreiben).

Zurück zu meinem Gedanken-Karussell. Ich habe das Interview natürlich gemacht. Und wir waren uns einig (hier ein großes Dankeschön an Elke) das Interview NICHT zu bearbeiten. Wir haben es weder korrigiert, noch an irgendeiner Stelle geschnitten.

Herausgekommen ist ein Interview, in dem ich mich so zeigen konnte, wie ich bin. PERFEKT UNPERFEKT! Und ich schaue es mir immer wieder an. Und mit jedem weiteren Mal liebe ich dieses Video mehr. Weil ich genau so bin. Mit meinem Gesicht, mit meinem Gewicht, mit meinen Versprechern, mit meinem Schwäbisch und mit all dem, was ich bin.

Und hier geht’s zum Video… Viel Spaß beim Zugucken und bitte: Beginne auch du dich zu lieben, mit all dem was du bist. Ich helfe dir gerne dabei.

WEIL DU WICHTIG BIST!

 

Herzlichst

Deine Silke


2 thoughts on “Von Zweifel-Karussells und der Frage: Warum willst du denn perfekt sein?

  1. vollkommenleben says:

    Liebe Silke,
    deine Beiträge sind einfach nur fantastisch, und so aufbauend!!!
    Ich denke, wir selbst legen fest, was perfekt ist, wie wir perfekt wären. Und wenn ich mich selbst hinterfrage, weiß ich nicht mal wirklich, wie ich selbst perfekt wäre, hauptsache, ich bin mit dem jetzigen Zustand nicht zufrieden. ((-; haha! Da kann ich nur noch über meinen eigenen Perfektionismus lachen und ich danke dir sehr dafür!!! Liebe Grüße von Caro

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