Wie ehrlich sind Facebook-Likes wirklich?

Gestern Abend entdeckte ich den 500. Like auf meiner Facebook-Seite.

Vielleicht lächelt jetzt irgendjemand milde und denkt 500 x Gefällt mir, was ist das schon?

Vielleicht denkt da draußen irgendjemand: 500 x Gefällt mir, so viele hätte ich auch gerne!

Für mich waren diese 500 FB-Likes Grund genug, mal genau darüber nachzudenken, was sie mir wirklich bedeuten.

Es gab eine Zeit, da fand ich Facebook völlig uninteressant.

Für mich war es damals eine komische Vorstellung, mein Mittagessen zu posten oder Fotos vom Spaziergang mit meinem Hund (zumal ich mich beim Spaziergang lieber auf meinen Hund als auf mein Handy konzentriere und diese geschenkte Zeit gerne nutze, meinen Kopf leer zu kriegen).

Aber gut. Jedem das Seine. Ich konnte mir damals auch nicht wirklich vorstellen, dass sich wildfremde Menschen als Freunde bezeichnen und ihre privatesten Dinge mit der halben Welt teilen. Außerdem war ich auch ziemlich „oldschool“  was die ganze Technik anging.

Ich sträubte mich also lange Zeit vehement dagegen, überhaupt einen Account einzurichten, obwohl meine Kunden immer wieder nach meinem Account auf Facebook fragten. Und ich erinnere mich noch gut an ein paar Business-Experten, die ihre Hände andächtig mit einem „Oh Gott, du hast kein Smartphone???“ gen Himmel richteten.

Nun denn, eines Tages ließ mich eben doch davon überzeugen, Facebook wenigstens mal auszuprobieren.

Nach ein paar Wochen war klar: DAS ist mir definitiv zu anstrengend und raubt mir viel zu viel meiner kostbaren Zeit.

Und so wäre ich wohl bei dieser Überzeugung geblieben, wenn mir nicht „zufällig“ in einer Facebook-Gruppe ein paar sehr interessante Frauen aufgefallen wären.

Und plötzlich war klar: Facebook funktioniert und fasziniert.

Für mich als Mensch UND für mein Business, weil dich deutlich „sichtbarer“ wurde als Dipl.liz. Antistresstrainerin® und LebensDolmetscherin® und meine Seminare wurden immer häufiger gefunden.

Ich war happy. Und ziemlich viel auf FB unterwegs. Ich knüpfte immer mehr Kontakte und likte hier und likte da. Es machte irrsinnig Spaß, bis ich ganz schleichend bemerkte, dass ich begann, die Zahl meiner Likes mit denen von ähnlichen Anbietern zu vergleichen. Ich stellte fest, dass sie in viel kürzerer Zeit viel mehr Follower hatten.

Ich wurde unruhig. Und meine Stimmung war auf einmal nicht mehr euphorisch interessiert, sondern sank mit jedem Facebook-Besuch. Ich spürte, ich war nicht mehr bei mir, sondern viel mehr bei den anderen, die doch alles viel besser machten.

Ich war irritiert. Wie konnte es sein, dass scheinbar völlig erfolgreiche und ausgebuchte Anbieter täglich und zu jeder Tag- und Nachtzeit online waren und jeden Kaka-Haufen posteten?  Und ich fragte mich ernsthaft: Wann bitte, arbeiten die denn tatsächlich? Denn ich dagegen schaffte es für höchstens 1 Stunde online zu sein.

Ich wunderte mich. Ich entdeckte immer mehr Seiten mit vielen hundert Likes. Ich dagegen hatte es damals gerade auf 53 Likes geschafft. Wie kann das sein? Irgendwann bekam ich ein Angebot, in dem davon die Rede war, dass man sich tatsächlich Likes kaufen kann. Wie bitte? Ich kann „Freunde“ kaufen? Warum um alles in der Welt, sollte ich das tun? Plötzlich ging mir ein rabenschwarzes Glühbirnchen an. Sollte das die Lösung sein? Niemals!

Ich sträubte mich, als ich las, wie der Wind auf dem für mich noch immer entfernten Facebook-Planet weht: In dieser Empfehlung stand nämlich: User messen anhand der Anzahl der Likes auf deiner Fanseite den Erfolg deines Unternehmens und deiner Qualität.  Also erhöhe deine Sichtbarkeit und kaufe dir jetzt kostengünstig xxx Likes!

Ich machte mir selbst ein Versprechen. Ich werde entgegen aller „Experten“-Empfehlungen Facebook für mich anders nutzen. Und wenn es Jahre dauert. Ich wollte mich auf Facebook möglichst genau so verhalten, wie „im realen Leben“.

Und in meinem realen Leben lade ich ja auch nicht „auf Teufel komm raus“ jeden x-beliebigen Menschen zu mir ein. Und einen Freund zu kaufen, geht ja wohl gar nicht!

Ich traf eine Entscheidung: Wie im realen Leben möchte ich auch auf Facebook  Menschen um mich haben, die gerne lesen, was ich zu erzählen habe und mit denen ich auch im realen Leben einen Teil meiner Zeit verbringen würde.

Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als die Bewunderung der ganzen Welt.
Otto von Bismarck

Mittlerweile könnte ich dir jetzt an dieser Stelle 1001 spannende Geschichten erzählen, die mir in meiner Facebook-Zeit passiert sind. Ich könnte dir auch erzählen, wie lange ich gebraucht habe, um meine Online-Präsenz auf ein für mich angemessenes Maß zu regulieren.

Dank der großartigen Unterstützung von Frauke Schramm ist es mir gelungen, eine Seite aufzubauen, die keine gekauften Likes braucht, sondern ein authentisches und ehrliches Marketing-Tool geworden ist.

Und das zeigte sich gerade jetzt besonders deutlich.

Nachdem ich gestern das 500. „Gefällt mir“ auf meiner Geschäftsseite entdeckte, habe ich zur Feier des Tages abends genüsslich meine komplette Freundes-Liste aufmerksam durchgeschaut.

Dabei ist mir wirklich das Herz aufgegangen.

Auch wenn ich weiß, dass ein paar wenige dieser Likes reine Gefälligkeits-Likes sind und ich auch vermute, dass vielleicht sogar ein paar Menschen meine Benachrichtigungen auf „nicht mehr anzeigen, aber befreundet bleiben“ gestellt haben, hat mich eine Tatsache doch wirklich sehr berührt:

Die allerallerallermeisten Gefällt mir-Likes sind mit Sicherheit „Echtheits-Likes“.

Als Echtheits-Likes bezeichne ich die Likes von Menschen, die seit unserer Verbindung auf Facebook auch im realen Leben in regelmäßigem, wenn nicht sogar in ständigem Kontakt mit mir stehen:

Ob als TeilnehmerIN in meinen Seminaren, ob als KlientIN in meinen Beratungen, als wertgeschätzte KollegIN oder als liebevolle FreundIN und WeggefährtIN.  Hinter all euren wundervollen Likes stehen Menschen, die ich nicht mehr in meinem Leben missen möchte.

FAZIT: Mein Vorurteil, dass Facebook oftmals nur oberflächliche Begegnungen erlaubt, ist bestätigt. ABER: Was meine Seite betrifft, habe ich dieses Vorurteil ist schon längst revidiert. Ihr alle seid der lebendige Beweis dafür, dass „mein“ Facebook, vorausgesetzt, dass man es richtig nutzt, sehr viel mehr bietet, als Fakten, Daten und Zahlen.

Ich bin stolz.  Auf all die vielen ehrlichen Likes und vor allem bin ich stolz auf „meine“ starke, liebevolle, präsente und ehrliche Community. Ihr seid KLASSE !!!!

PS: Was mir noch wichtig ist: Kaum hatte ich heute die 500 Likes gefeiert kam nur eine Minute später ein weiteres Like dazu. Auch wenn ich dieses nicht öffentlich und explizit gefeiert habe, möchte ich auch an dieser Stelle DANKE sagen. Für das 501. Like und jedes weitere, das in Zukunft noch folgt.

WEIL DU WICHTIG BIST!


6 thoughts on “Wie ehrlich sind Facebook-Likes wirklich?

  1. Manuela says:

    Liebe Silke,
    dein Artikel hat mir nicht nur ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert!
    Erst einmal Glückwunsch zu dieser Leistung!
    Besonders über den Passus … scheinbar völlig erfolgreiche und ausgebuchte Anbieter täglich und zu jeder Tag- und Nachtzeit online waren … musste ich mehr als schmunzeln, denn das denke ich auch sehr oft.
    Um so schlimmer finde ich es dann auch, wenn selbst in einer unserer gärtnerischen Fachzeitschriften das Kaufen von Fans als das Mittel empfohlen wurde, seine Reichweite zu steigern.
    Viel Freude auf deinem weiteren glücklichen Weg!
    Manu

  2. Simone Tontsch says:

    Deine Gedanken kommen genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich befinde mich ungefähr in der Mitte deines Artikels und räume gerade mit meinen Freundschaften auf. Ich will echte Beziehungen und erfahre, wie wertvoll die selbst auf FB sein können! Dankeschön, Silke!

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