An was mich Ostern erinnert:

„Ostern, wie es früher einmal war“. Dieser Satz stolperte heute Mittag durch meine Gedanken, während ich in der Sonne saß und einer Spinne zuschaute. Mit feinen silbernen Bändern verknüpfte sie die äußeren Teile ihres Netzes mit dem inneren Mittelpunkt. Immer wieder ging sie in ihre Mitte zurück, um dann ihr Netz zu vergößern. Spannend, diese Spinnerei, dachte ich bei mir. Und obwohl ich weiß, dass sich der Satz „Ostern, wie es früher einmal war“ eher auf Weihnachten bezieht, ist nicht von der Hand zu weisen, dass es zwischen Ostern und Weihnachten schon einige Ähnlichkeiten gibt. Ich erlaubte mir, auch an meinem Gedanken-Netz weiter zu spinnen.

Die Osterzeit war früher für mich eine Bastelzeit. Mittlerweile sind meine Kids groß, aber die Bastelfreude hält an. Nur nennt sich das heute wohl eher Kreatives Arbeiten ?

Die Osterzeit war für mich eine Zeit des Suchens. Gerne erinnere ich mich an die kleinen versteckten Süßigkeiten in unserem Garten. Heute versüße ich lieber meinen Seelenfrieden ?

Die Osterzeit ähnelt irgendwie mehr und mehr Weihnachten. Die Geschenke werden üppiger, aber auch auch an Ostern vermisse ich – wie an Weihnachten – unser Wissen um den Ursprung dieses Festes. Die Gedanken über den Leidensweg verlagern sich heute eher auf die endlos-Staus unserer Autobahnen. ?

 

Warum neigen wir eigentlich dazu, unseren Ursprung mehr und mehr zu verlieren?

Gerade an Ostern könnten wir uns doch wieder die Qualität unseres eigenen Auferstehens bewusst machen. Aber schon allein dieses Wort Auferstehung lässt uns kollektiv zusammenzucken.

Hängt es damit zusammen, dass wir uns im Alltag eher in den Leidensprozess vertiefen, als in die Hoffnung auf ein ständiges Wiederaufstehen?

Hängt es damit zusammen, dass wir das ständige Wiederaufstehen als anstrengende Last empfinden, statt als eine unendliche Chance des Neubeginns?

Bemühen wir uns deshalb ständig um dieses mühevolle „SCHNELLER-WEITER-HÖHER weil wir tatsächlich hoffen, dass dies die ultimative Lösung gegen das Sterben wäre? Oder haben wir in Wirklichkeit eher Angst, unserer (Un)Sterblichkeit ins Auge zu schauen?

 

Dabei wäre doch gerade die Osterzeit eine Qualität, in der wir die Schönheit, die Freude, die Freiheit, die Gesundheit und Lebendigkeit entdecken und ehren könnten?

Manchmal werde ich sehr nachdenklich, wenn ich höre oder lese, womit sich die Menschen belasten. Worüber sie diskutieren oder streiten, worüber sie sich einen Kopf machen.  Bei den einen ist es das Gezicke mit dem Nachbarn, bei anderen ist es das Gejammer über die Arbeit, die Politik, die Gesundheit. Wieder andere wissen, wie wir alles besser machen sollen. Und anderswo sind es die aufbrausenden Töne über den Wiederaufbau der Kathedrale Notre-Dame. An dieser Stelle knotet sich ein dicker Faden in mein Gedanken-Netz.

Ja, vielleicht müsste das viele Geld für die vielen notleidende Menschen ausgegeben werden. Ja, vielleicht wäre es sinnvoller, das viele Geld in die Rettung unserer Natur einzubringen.

Aber ganz ehrlich? Wer tut das tatsächlich?

Wer von uns ist bereit, seinen Ostereinkauf herzlich mit dem Bettler auf der Straße zu teilen? Wer von uns spendet dem Tierheim an der Ecke das Oster-Leckerli, anstatt es an unser eigenes wohlgenährtes Haustier zu verfüttern? Und wer von uns verkneift sich den völlig überteuerten Oster-Urlaub und gibt das Geld lieber an eine Umwelt-Organisation? Vor allem: WER von den Motzern tut das?

Versteh mich bitte nicht falsch, ich will hier nicht über irgendjemand urteilen. Ich packe mich nur gern selbst an der Nase. Gerade jetzt an Ostern!

In diesem Moment wird mir deutlich, wie unfrei auch ich oft noch handle. Wie schnell auch ich mich eine kurze aber anstrengende Zeitlang wieder mitreißen lasse. Vom Getöse der Massen. Vom Unfug der Medien.

Gerade jetzt wird mir deutlich, wie anstrengend ich über manches noch nachdenke. Wie schnell auch ich mich ab und zu in das Hamsterrad des Leidens ziehen lasse. Hinein in die Hektik, hinein in den Strudel des Selbstständig-Seins.

Es ist nur ein Weg, glücklich zu werden, nämlich der, der Stille seines Gefühls, seines Herzens zu folgen. Gott hat tief in unsere Seele die schönen Ligamente* eingegraben, denen man nur folgen muss, um auf dem rechten Weg zu bleiben.

(Louise von Mecklenburg-Strelitz)

*Anmerkung von Silke: der Begriff Ligament bezieht sich eigentlich auf die Bänder, die unseren Bewegungsapparat zusammenhalten. In diesem Zusammenhang ein wunderschön passender Begriff wie ich finde).

Mein Blick geht wieder zurück zur Spinne. Während ich vor mich hinüberlegt habe, hat sie ihr Netz fertig gebaut und sitzt mitten drin, im Mittelpunkt. Am Ursprung ihres Erschaffens. Auch ich bin wieder in meiner Mitte angekommen. Still und dankbar freue ich mich auf Ostern.

Ostern ist ein Symbol für das Leiden UND die Auferstehung. Daran will ich mich erinnern und genau das will ich mir zu Herzen nehmen. Und mir bewusst machen, dass ich selbst jeden Tag einen kleinen Welten-Teil von mir erlösen kann.

Ostern ist ein Symbol unseres Ursprungs. Daran will ich mich erinnern und genau diesen Ursprung will ich suchen. Hoffnungsvoll darauf vertrauend, dass ich jeden Moment wieder aufstehen und vielleicht nicht alles neu, aber einfach vieles anders machen kann.

In diesem Sinne FROHE OSTERN. Ich wünsche dir für dein Oster-Nest ein paar erfüllende innere Geschenke.

WEIL DU WICHTIG BIST!

Deine Silke

 

 

 

 

 


2 thoughts on “An was mich Ostern erinnert:

  1. Karin says:

    Liebe Silke, auch dieses Mal wieder ein sehr schöner Beitrag von dir.
    Ostern und die Geschenke – da bin ich eh eher bei den Kleinigkeiten, beim Miteinander und nicht beim Viel, Groß und oft Überflüssig. Überhaupt ist das Jahr 2019 für mich bisher ein ganz anderes „Er“leben als die letzten Jahre. Das für alles offen sein, jede Technik kennen und leben ist für meine Begriffe – in dieser hektischen Zeit – komplett zweitrangig geworden. Wenn all diese Wunderdinge nicht genutzt werden um das Leben (eher die Anforderungen) leichter zu machen, sondern immer mehr tun zu müssen, dann sind diese nicht „mehr“ erstrebenswert. Ich bin innerlich ausgestiegen und entschleunige in jeder Beziehung. Komisch – es macht mir keine Angst etwas zu verpassen oder womöglich alles zu verlieren. Es macht mich ruhig.
    Zu deinem „notre dame“ Bezug möchte ich noch sagen: Es geht auch beides. Man muss nicht komplett verzichten, man kann auch kleiner und den ersparten Teil spenden. Ja, das Gleichgewicht in allen Dingen ist für mich ganz wichtig. Das ich dies leben darf und kann, macht mich überaus dankbar. In diesem Sinne wünsche ich allen ein wundervolles Ostern und ein ganz herzliches Miteinander.
    Karin

    • silke2014 says:

      Wundervolle Worte und sehr, sehr ruhige und gelassende Gedanken, liebe Karin.
      DANKE, einfach nur DANKE, dass du sie hier mit uns teilst. ♥♥♥ !!!

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