Das Gefühl des Monats Juni: Enttäuschung

Willkommen im 6. Monat des Jahres und willkommen zu einem Gefühl, das wir alle gut kennen und vielleicht genau deshalb tunlichst vermeiden wollen. Und doch gehört auch dieses Gefühl zu unserem Leben und darf deshalb ein bisschen genauer unter die Lupe genommen werden.

Das Gefühl der Enttäuschung.

Ich erinnere mich an ein Gespräch, auf das ich mich riesig gefreut hatte, bis es plötzlich einen Verlauf nahm, der all meine Freude- und Freundschaftsgefühle mit einem stählernen Band der Enttäuschung zusammendrückte.

Mühsam versuchte ich Haltung zu bewahren, obwohl mir die Worte, die sich geradewegs durch meinen Gehörgang immer tiefer in mein Herz quetschten, fast die Luft nahmen.

 

Noch vor ein paar Jahren hätte wohl augenblicklich mein Flucht-Mechanismus eingesetzt.

 

Doch ich hielt mich an meiner Cappuccino-Tasse fest, obwohl ich für einen Moment Sorge hatte, dass sie gleich in tausend Stücke zerspringen würde.

Ich fühlte, wie mein Puls anstieg, atmete ich bewusst tief ein und aus und stellte meine Füße fest auf den Boden. Nicht um die Cappuccino-Tasse zu retten, sondern mein Herz, das sich zwischenzeitlich krampfhaft gegen das stählerne Band der Enttäuschung wehrte, dass mein Gegenüber solch eine Meinung von mir hat.

In meinem Kopf rasten Gedanken-Spiralen.

 

Früher hätte eine solche Situation sofort meine Rechtfertigungs-Mechanismen losgetreten.

 

Versteh mich nicht falsch: Es ging nicht darum, dass ich nicht sehr wohl reflektieren kann, wann ich etwas falsch gemacht habe. Dieses Mal jedoch spürte ich ganz deutlich: DAS hatte nichts mit mir zu tun.

Ich hatte zwar den Finger in eine Wunde gelegt, aber diese Wunde habe nicht ich produziert. Diese Wunde war hausgemacht und schon sehr lange da.

Deshalb ließ ich mich weder auf das Pingpong-Spiel „aber du hast nicht, obwohl ich habe…, aber du machst das auch nicht, dabei wollte ich nur…etc. ein, noch versuchte ich, mich in irgendeiner Form zu verteidigen.

Trotzdem schmeckte der Cappuccino plötzlich sehr bitter. Kein Wunder, Enttäuschung hat einen fürchterlich bitteren Geschmack!

Das Gespräch endete recht unvermittelt durch das Klingeln des Handys meines Gegenübers. „Zeit zu gehen, mein nächster Termin wartet!“

Dass ich mir gerne den gesamten Nachmittag für das Gespräch frei genommen hatte, konnte mein Gegenüber ja nicht wissen.  

 

Enttäuscht fuhr ich nach Hause und dachte mir zuerst: „Selber schuld! Hätte ich damals bloß meine Klappe gehalten!“

 

 

„Ganz typisch für Enttäuschungen ist unsere Reaktion, just in diesem Moment auf das ohnehin schon blutende Herz auch noch mit dem erhobenen Zeigefinger ein kritisierendes „Selbst schuld!“ zusätzlich hinein zu bohren.“ (©Silke Steigerwald)

 

Wodurch entstehen Enttäuschungen? 

Zunächst entstehen sie sicherlich an aller erster Stelle durch Erwartungshaltungen, die wir an Andere (oder an uns selbst) haben, die nicht erfüllt werden.

Manchmal entstehen sie auch dadurch, dass in uns etwas „angetriggert“ wird, das gar nichts mit dem aktuellen Thema zu tun hat. Blöderweise haben wir dann jedoch bereits „die Schotten dicht gemacht“ und das was wir hören könnten – wenn wir hin- statt zuhören würden – kommt nicht mehr an.

Oftmals entstehen Enttäuschungen dadurch, dass wir viel zu lange damit warten, Dinge offen anzusprechen und zu klären.

Gar nicht selten auch deshalb, weil wir in einem Gespräch innerlich schon bei der Antwort sind, ohne dem Anderen wirklich bis am Ende zuzuhören.

Mir ging es in diesem Gespräch auch so. Ich war enttäuscht, dass mein Gegenüber überhaupt so von mir denken würde, dabei hatte ich geglaubt, dass wir uns schon lange genug kennen, um zu wissen, dass ich grundsätzlich keine „Schuld-Pfosten“ verteile, weil es Schuld im herkömmlichen Sinne für mich nicht gibt (aber das wäre einThema, zu dem ich gerne zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt mal einen Blog-Artikel schreibe!)

 

Können wir Enttäuschungen vermeiden?

Enttäuschungen sind bitter und meist tun sie richtig, richtig weh. Aber Enttäuschungen gehören zu unserem Leben einfach dazu.

Allerdings bietet das „Menü“ von Enttäuschungen auch eine große Portion unterschiedlichster Gefühle als Beilagen:

Frustration, Wut, Traurigkeit, Eifersucht, Neid, Beleidigung, Einsamkeit, Rückzug, Verdrängen.

Zum Dessert servieren Enttäuschungen eine große Auswahl an unterschiedlichste Mechanismen an:

Verteidigungs-Mechanismen, Opfer-Mechanismen, Rechtfertigungs-Mechanismen, Flucht-Mechanismen.

Enttäuschungen bringen also unseren gesamten Energie-Haushalt komplett durcheinander: Sie rütteln an unserem Weltbild und liebend gerne an unserem Selbstbild.

Aber vermeiden können wir sie nicht. Was wir jedoch tun können ist: einen guten Umgang mit den oben erwähnten Beilagen zu lernen.

 

Wie können wir besser mit Enttäuschungen umgehen?

Wie der Name schon sagt, sind Ent-Täuschungen eine Offenbarung einer Täuschung. Wären sie dadurch nicht eigentlich Anlass zur Freude?

Nun, solange es um Dinge geht, die sich mühelos ersetzen lassen, können wir relativ leicht damit umgehen.

Beispielsweise mit einem Kino-Film, der unsere Erwartungen nicht erfüllte. Oder einem Besuch in einem hochgelobten Restaurant, das nicht ansatzweise unserem Geschmackssinn entsprach. Oder mit der neuen Bluse, die nicht halb so viel Qualität beweist, wie ihr Preis versprach.

Schwierig wird es, wenn es um uns selbst geht. Wenn wir Erwartungen an uns selbst hatten, die aus irgendwelchen Gründen nicht funktionierten oder das ersehnte Ergebnis nicht unseren Erwartungen entsprach.

Kompliziert wird es, wenn wir das Gefühl haben, unser Bestes gegeben zu haben, und das erwartete Lob oder ein herzlicher Dank fällt nicht so befriedigend aus, wie wir uns das gewünscht hätten.

Richtig schmerzhaft wird es jedoch dann, wenn dabei Personen involviert sind, die uns am Herzen liegen.

Manchmal höre ich in meinen Beratungen auch den verzweifelten Satz „Nun dann erwarte ich am besten gar nichts mehr, dann kann ich auch nicht mehr enttäuscht werden!“

Dein Herz zu verschließen, kann niemals die ideale Lösung sein. Denn damit schließt du auch jegliche Hoffnung, Freude und Vertrauen aus, die unser Leben doch wirklich lebenswert machen. (©Silke Steigerwald)

 

Wie können wir Enttäuschungen leichter verarbeiten?

Kommen wir noch einmal zum Wortspiel der Ent-Täuschung.

Immer wieder lese oder höre ich, dass empfohlen wird, froh zu sein, wenn sich eine (Ent)Täuschung aufdeckt. Oder dass wir sogar froh sein sollen, dass „DER ANDERE“ sein wahres Gesicht gezeigt hat und wir nun einen Feind weniger in unserem Leben haben.

Was viele dabei verwechseln ist: In Wirklichkeit hat uns nicht der Andere getäuscht! Und auch nicht wir selbst wurden getäuscht, sondern WIR haben uns täuschen lassen! Von unserer eigenen Erwartung an den Anderen! (©Silke Steigerwald)

Oh, ich höre schon einige Menschen laut aufschreien!

Also doch lieber den Finger in die ohnehin schon blutende Wunde legen? NEIN! Bitte lass jetzt nicht die Rollläden runter, wie es mein Gegenüber in unserem 1. Gespräch getan hat!

Bitte erlaube dir für einen Moment, deine Frustrations-Grenze auszudehnen und aus einem anderen Blickwinkel zu schauen, denn:

Das, was wir an Enttäuschungen letztendlich fürchten, ist nicht das Gefühl, das wir im ersten Moment wahrnehmen. Es ist vielmehr die Art und Weise, wie wir mitten in der Enttäuschung mit uns selbst umgehen.(©Silke Steigerwald)

Halt stopp, nicht gleich weiterlesen. Sonst kann ich deinen Rollladen nicht mehr hochschieben und das stählerne Band zieht sich augenblicklich auch um deine Freude- und Freiheits-Gefühle!!!

Lass den Satz noch einmal ganz langsam in dich hineinsinken!

Das, was wir an Enttäuschungen letztendlich fürchten,

ist nicht das Gefühl, das wir im ersten Moment wahrnehmen.

Es ist vielmehr die Art und Weise,

wie wir mitten in der Enttäuschung mit uns selbst umgehen.

 

Wie können wir aus dem Gefühl der Enttäuschung aussteigen?

Fühle dich für einen Moment lang in deine letzte Enttäuschung hinein. Welche Gefühle zeigen sich? Beim WEM warst du mit deinen Gedanken? Beim Anderen oder bei dir selbst?

Welche Mechanismen hat die Enttäuschung in dir ausgelöst? Wo passieren diese? Beim Anderen oder bei dir selbst?

Alles, alles was du im Moment der Enttäuschung, und bei allen Gedanken an diese Enttäuschung brauchst, ist als aller-allererstes Selbstliebe. Liebe zu dir selbst!

Du brauchst weder ein „Selbst schuld“ noch ein „Wie konnte ich nur so blöd sein!“ Du brauchst am allerwenigsten ein gekünsteltes positives Denken, so ganz nach dem Motto: „Ach bin ich jetzt froh, dass diese Täuschung aufgeflogen ist!“

Alles was du jetzt brauchst, ist die pure Fürsorge für dich selbst. Wie das geht?

Schau dir die nachfolgenden Schritte an:

 

♥ Schritt 1: Atme ganz bewusst tief durch. Spüre deine Fußsohlen fest auf dem Boden und stell dir die Frage: „Was brauche ich jetzt, in diesem Moment?“ und spüre nach. So lange, bis du deine innere Stimme hören kannst! Vielleicht sagt sie dir: Jetzt brauche ich ein Gespräch mit einem vertrauten Menschen.

Vielleicht sagt sie dir auch, jetzt darf es eine Tafel Schokolade sein oder ein Gebet.

Vielleicht ist dein 1. Impuls: Jetzt kaufe ich mir erst mal einen Strauß Blumen, oder eine erfrischende Postkarte.

Vielleicht muss es eine E-Mail sein, in der du dich mal so richtig auskotzen kannst (Mein Email-Postfach ist offen für dich, wenn du eine neutrale Anlaufstation brauchst).

♥ Schritt 2: Nimm alle Gefühle wahr, die sich JETZT zeigen. Mit JETZT meine ich nicht, Geschichten und Denkmäler für die Situation aufzubauen. Geschichten, wie z.B.  „Ach hätte ich doch nur…, oder was wäre gewesen, wenn …, oder wie soll das in Zukunft…usw.

Erlaube dir zu fühlen, was sich JETZT in diesem Moment an Gefühlen zeigt. Wie lange? So lange, wie es eben dauert ? aber komme dabei immer wieder zurück in das Jetzt, jetzt, jetzt….

♥ Schritt 3: aufstehen, weitergehen – und nein! Nicht die künstliche Krone richten! Sondern weitergehen mit offenem Herzen. Nicht sofort, nicht in 5 Minuten, sondern dann, wenn es dein Herz bestimmt.Und bitte !!!!!

Bitte lege nicht immer wieder Blumensträuße an den Denkmälern deiner Enttäuschungen nieder! (©Silke Steigerwald)

♥♥♥

Vielleicht willst du noch wissen, was ich nach dem ent-täuschenden Gespräch gemacht habe?

Ich habe tief in mich hineingehört und mich gefragt, was ich jetzt brauche und was mir guttut:

Zunächst habe ich mir einen Strauß Blumen gekauft. (Selbstbelohnung nährt die Selbstliebe und zwar ganz besonders dann, wenn wir für einen Moment glauben, dass wir keine Belohnung verdient hätten!)

Dann habe ich alle Gefühle, die sich zeigen wollten, ausgelebt und meiner Frustrationsgrenze die Erlaubnis gegeben, sich ganz weit auszudehnen. (Das bremst alle Opfer-, Verteidigungs- und Rechtfertigungs-Mechanismen aus!)

Und dann habe ich mein Herz weit geöffnet, meine Füße wieder fest auf den Boden gestellt und mich in das Jetzt gebracht.

Damit ich gestärkt und fest verbunden in den Monat Juni hineinfinde, der mit seiner Zahlen-Qualität der Zahl 6 unsere Basis und unser Fundament neu stärkt.

Die Qualität der Zahl 6 (die im Gegensatz zur Zahl 9, ihren „Bauch“ unten hat) ist die Qualität der Wahrheit, der Klarheit und der Bodenständigkeit.

  • Sie lässt uns mit ihrer „Halbzeit“-Qualität fundiert überprüfen, welche Werte uns wichtig sind und welchen Menschen und Dingen wir wirklich unsere Liebe und Aufmerksamkeit geben möchten.
  • Sie zeigt uns, welche Prägungen wir in uns tragen, welche wichtig sind und welche wir loslassen können.
  • Sie nährt unsere Selbstliebe, wenn wir uns enttäuscht fühlen und lässt uns immer wieder in unser Vertrauen in uns selbst zurück finden.
  • Sie unterstützt uns dabei, zu erkennen, was Bestand hat und was in unserer Aufmerksamkeit vielleicht eine Kurs-Korrekur braucht.

Ich wünsche dir einen kraftvollen Monat Juni. Einen Juni, der dich immer wieder zu deinen Wurzeln zurückbringt, auch wenn das Leben ins Wanken gerät.

Wenn du deine Selbstliebe und deine Wurzeln stärken willst, dann hole dir die 9 wichtigsten Lebens-Quellen, die deine Freude- und Freiheits-Gedanken von Grund auf nähren.

In der Kloster-Auszeit „die 9 wichtigsten Lebens-Quellen“ gibt es aktuell noch 4 freie Plätze.Ich freue mich auf Dich!

 

WEIL DU WICHTIG BIST!

Herzlichst deine Silke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


4 thoughts on “Das Gefühl des Monats Juni: Enttäuschung

  1. Dr. Annette Pitzer says:

    Hinter jeder Enttäuschung steckt ein Deal. Wenn ich mein Bestes gebe, werde ich wertgeschätzt. Ein Deal ist nichts falsches, wenn beide Partner die gleichen Ziele haben und damit in Resonanz gehen. Doch trifft das eben sehr oft nicht zu. Nimm das Gefühl an und geh ihm auf den Grund. Finde Deine Täuschung (oder den Fehler) in der Gleichung.
    Alles Liebe
    Annette

    • silke2014 says:

      Danke liebe Annette für deine Botschaft, die hoffentlich von vielen anderen gelesen wird. Denn ja, du hast Recht.
      Es ist immer ein Deal. Und in jeder Täuschung steckt gaaanz viel Erkenntnis, für sich selbst.

      Herzlichst Silke

  2. Karin says:

    Das ist ein sehr interessanter Artikel liebe Silke,
    Enttäuschung das Thema. Komisch was da alles aufgepoppt ist. Das Ehe-Aus, die Ehrenamt-Aufgabe und die momentane Situation in meinem Familienumfeld. Was für Parallelen, was für Gedankengänge:-)
    Beim tief einatmen steigt ein wenig Pipi in die Augen. Und doch fühle ich mich wohl – es war immer der für mich richtige Weg. Ich schaue mit einer gewissen Traurigkeit auf die vergangenen Dinge, die ich nicht „ändern“ konnte. Wichtige Worte für mich waren Resignation und zu viel Einmischung von außen. Meine Erwartungen waren doch sehr hoch, sehr idealistisch. Danke für deinen Beitrag.
    Von Herzen
    Karin

    • silke2014 says:

      Liebe Karin,
      Wie schön, immer wieder deine schönen und vor allem authentischen Rückmeldungen zu lesen. Ja, das Thema hat es in sich und wollte dringend
      mal angesprochen werden. Du hast einen anstrengenden Weg hinter dir und bist unglaublich „gewachsen“. Mittlerweile hat sich so vieles
      gelichtet, du bist mutig und zuversichtlich vorangegangen. Auch wenn der Rückblick immer mal wieder ein bißchen Pipi in die Augen treibt,
      zeigt es doch, dass es es IMMER möglich ist, auch in schwierigen „Holperpisten“ den eigenen Weg zu finden.

      DANKE, dass ich mitbegleiten durfte und darf. Ich hab dich sehr lieb !!!

      Herzlichst Silke

      Herzlichst Silke

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