Was stinkt denn hier bis in den Himmel?

Was stinkt denn hier bis in den Himmel?

Riechst du auch diesen beißenden Gestank? Er kriecht in jede Pore meines Körpers. Ich stehe wie ein Reh auf einer Lichtung und drehe witternd meinen Kopf. Woher droht Gefahr? Aah, ich erkenne sie:

Es ist der Geruch von Angst!

Wie sagte Georg Exler heute so passend zu mir:

Gerüchte verbreiten schlechte Gerüche!

Virus, Hamsterkäufe, Panikmache. Mein Herz schlägt laut. So laut, dass die Schneeglöckchen um mich herum ängstlich ihre Blütenköpfe schließen.

Typisch. Die Medien schüren mal wieder Angst. Öl ins Feuer der ängstlichen internetten Köpfe… das gibt richtig fett Asche… Es fragt sich nur für wen?

Mein Blick fällt auf einen nahestehenden Kirschbaum. Mutig streckt er seine zarten grünen Blätter heraus. Mein Ohr sammelt den Klang fröhlich zwitschernder Meisen ein. Sie haben ihre Hamsterkäufe bereits getätigt. Der Supermarkt in meinem Vogelhäuschen ist trotzdem gut gefüllt..

Schon seit Tagen tobt immer wieder ein heftiger Sturm. Als hätte er mit dem Shit-Storm in den Medien eine Wette abgeschlossen, wer mehr zerstörerische Kraft besitzt.

Die beiden windigen Kontrahenten zerstreuen die verbindende WIR-Qualität, die dieser neugeborene Monat März mit seiner Zahl 3 mitbringt in tausend Einzelteile. Wir gehen auf Abstand. Weil das sicherer ist. Sicherer als was?

In Gedanken sammle ich die zerrissenen Einzelteile auf und kann fast nicht glauben, was ich da höre:

„Ich habe noch ein Desinfektions-Gel bekommen. Du nicht, ätsch. Mein Vorrat ist gesichert. Du stehst vor leeren Regalen. Pech gehabt.“

Ich sammle weiter:

„Komm mir bloß nicht zu nahe! Wo warst du in den letzten Tagen unterwegs? Warum bringen sie die Rückkehrer ausgerechnet in unsere Stadt? Und überhaupt, das kommt doch alles nur, weil die jeden reinlassen.“

Weit und breit kein WIR-Gefühl in Sicht. Jeder ist sich selbst der Nächste.

Wie zum Beweis treibt mir der Wind eine zerfledderte Zeitschrift vor die Füße. Ich hebe sie auf und trage sie zum Mülleimer. Doch ich kann sie nicht wegwerfen. Noch nicht. Zu laut trommeln die Schlagzeilen in meine Hand:

Jeder einzelne Corona-Patient bekommt seine eigene Head-Line. Dass währenddessen unzählige Menschen verhungern oder in den weltweiten Kriegen tagtäglich Unschuldige ihr Leben verlieren… Davon lese ich nichts!

Schnell umblättern. Ah! Germanys next topmodel! Das ist wichtig, denn aufgepolsterte Schönheiten füllen leicht die Zwischen-Überschriften. Dschungelcamp-Madenfresser bekommen mehr Aufmerksamkeit als Flüchtlingskinder. Ich blättere weiter.

Frühjahrs-Diät mit Früchten: Damit Sie ihre überflüssigen Pfunde loswerden… „Das geht bald von allein“, denke ich in einem Anflug von Ironie. „Ab nächste Woche gibt es eh keine Nudeln mehr zu kaufen!“

„Aber jetzt Früchte aus Italien? Hm, das könnte ein Risiko sein!“ Wobei ich mir für einen Moment die Überlegung erlaube, ob die vielfältig eingesetzten Pestizide vielleicht auch gegen Corona wirken?

Halt STOPP! Ich wollte dir doch heute Gedankenperlen einsammeln. Eigentlich. Aber mein Kopf will und will nicht in das so wundervolle WIR-Gefühl finden, über das ich schreiben wollte.

Es sei denn…

… ich lasse mein Herz schreiben! Endlich gelingt es mir, meine Kommando-Zentrale in den Wind zu schicken.

Kopf aus. Herz an.

Mein innerer Gedanken-Sturm legt sich. Wie immer, wenn ich mein Herz zu Wort kommen lasse. Und endlich rieche ich den betörenden Duft vom Frühling. Ich halte inne und staune:

Wie in einem Zeitraffer sehe ich leuchtend grüne Gräser aus dem schmutzigen Boden der Angst wachsen und in mir erklingt ganz zart die Melodie We are the world…

Von den schillernden Grashalmen tropfen glitzernde Herz-Gedanken-Perlen, ähnlich den Perlen, die ich in meiner Kloster-Auszeit „Die neun Lebensquellen“ mit meinen TeilnehmerInnen zu einem harmonischen WIR-Gefühl verknüpfe.

Gedanken-Perlen von einer Welt, in der sich keine Angst verbreitet. Weil sie von einem starken WIR-Bewusstsein geprägt ist.

Gedanken-Perlen voller Hoffnung in eine Menschheit die mutig genug ist, jegliche Form von Angst und Getrenntsein aufzulösen.

Klingt dir das zu unwirklich? Zu blauäugig? Zu naiv? Weißt du was? Das ist mir egal.

Denn ich werde meinen Traum von einer besseren Welt niemals aufgeben.

Ich treffe eine Entscheidung: Ich werde das angstgeschnürtes Non(sens)-Food das mir vorgesetzt wird, nicht mehr konsumieren. Kopf aus. Herz an.

Plötzlich fühle ich all die mutigen WIR-Menschen, die tagtäglich ihren Job machen und für die da sind, die keiner will.

Kopf aus, Herz an.

Ich spüre die leisen WIR-Menschen, die sich in diesen Zeiten nicht vor einem Mikrofon profilieren, sondern da mit anpacken, da wo ein WIR gefordert ist.

Ich bin davon überzeugt, dass ein WIR jeden Hunger stillen kann. Ich bin davon überzeugt, dass ein WIR unsere Umwelt schützt. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass ein WIR Trennungen überwindet und eine liebevolle Gemeinschaft erzeugt. In allen Ländern, auf allen Kontinenten und in jedem Einzelnen von uns.

Bin ich tatsächlich naiv? Blauäugig? Oder schlichtweg ein blinder Verdränger?

Nein. Ich bin nicht so blauäugig zu glauben, dass es in einem WIR keinen Virus mehr gibt. Aber ich weiß – und du weißt es auch – dass jedes fehlendes WIR die Angst – vor was auch immer – nährt.

Nein. Ich bin auch nicht so naiv zu glauben, dass übermorgen alle Kriege beendet werden. Aber ich weiß – und du weißt es auch – dass ein fehlendes WIR-Gen jede Form von Kriegen weiterhin möglich macht.

Aber ich bin mir bewusst, dass dieses WIR bei mir selbst beginnt. In jedem Moment und mit jeder einzelnen meiner Entscheidungen.  

Ich kann den Schlagzeilen glauben und vor Angst in die Ecke sitzen und zittern. Aber ich muss es nicht.

Ich kann sämtlichen Verschwörungs-Theorien Glauben schenken und sie weitererzählen. Aber ich muss es nicht.

Ich kann in jedem einen Gegner sehen, einen Abzocker, einen Fremden. Aber ich muss es nicht.

Ich darf für meine Familie sorgen und für die Menschen, die ich liebe. Aber ich kann auch Ware im Regal stehen lassen für all diejenigen, die KEIN Geld für Hamsterkäufe zur Verfügung haben.

Und ja, ich kann auch auf ein Bad in der Menschenmenge verzichten. Aber ich muss nicht in Desinfektionsmittel baden.

Und noch etwas kann ich:

Ich kann ruhig bleiben, statt Parolen unreflektiert nachzubrüllen.

Ich kann achtsam bleiben, statt andere zu ver-achten.

Ich kann mich in bewusster Nachsicht üben, statt in panischer Vorsicht argwöhnisch den Husten meines Nachbarn zu beobachten.

Ich kann überall etwas entdecken, das mir Hoffnung macht und Zuversicht und Vertrauen schenkt. Weil ich das will.

Wenn wir uns nicht länger als abgeschnittenes egozentrisches Individuum betrachten, sondern uns bewusst werden, dass wir mit allen und allem in dieser Welt verbunden sind, dann sind wir diejenigen, die diese Welt heller machen. Mitten in der Angst.

We are the world, we are the children… It’s true we’ll make ab better day, just you and me.

Lass nicht zu, dass sich dein Herz von dicken fetten Angst-Lettern dunkel(braun) einfärbt.

Lass nicht zu, dass dein menschliches und mitfühlendes WIR-Wesen dem abgetrennten ICH die Führung überlässt.

Ein WIR ist mehr. Mehr als ein paar ängstliche Hamster-Käufer und lumpige Ebay-Abzocker, die eine Desinfektions-Flasche für 1500 Euro ins Netz stellen.

Ein WIR kann mehr. Mehr als ein paar hasserfüllte Gesinnungs-Chaoten und Parolen-Brüller es jemals können.

WIR sind mehr.

Aber wir müssen genauso laut werden. Damit man auch uns hört. Denn: We are the World…

Lasst uns das niemals vergessen.

Ich wünsche dir einen gesunden und entspannten März mit einem liebevoll verbundenen WIR-Gefühl.

WEIL DU WICHTIG BIST.

Vielleicht bist genau du der wichtigste Teil in diesem WIR. Gerade jetzt.

Herzlichst

Deine Silke


13 thoughts on “Was stinkt denn hier bis in den Himmel?

  1. Biggi says:

    Liebe Silke,
    dankeschön – Du hast es mal wieder auf den Punkt gebracht. We are the world… und wir entscheiden selber, was wir draus machen und von was wir uns berühren lassen. Vielleicht liegt auch darin der tiefere Sinn der traditionellerweise mit dem März verbundene Fastenzeit? Einfach mal einen Schritt zurücktreten und den Blickwinkel verändern………. auf all das Schöne, das uns umgibt. Neue Kraft tanken für all die Veränderungen, die wir uns so sehr wünschen. Es liegt in unserer Hand.

    Ganz liebe Grüße aus dem maison malou – hier läßt sich sogar gerade die Sonne blicken 😉
    Biggi

    • silke2014 says:

      Meine liebe Biggi, herzlichen Dank für dein so liebevoll WIR-verbundenes Feedback und den sehr inspirierenden Hinweis
      auf die Fastenzeit.
      Zurücktreten, Blickwinkel ändern (und eintauchen z.B. in deine herrlichen Stoffe und Möbel), und Kraft tanken für all das und in all dem, was uns wirklich nährt und stärkt.
      Von Herzen DANKE für deine WIR-STIMME.

      Sonnige Grüße zurück
      Herzlichst Silke

  2. Anja Rödel says:

    Oder auch: „I’m starting with the man in the mirror, I’m asking him to change his ways.“

    Das ist es, diese negativen Gedankenspiralen drehen sich weiter und weiter und es wird immer schwerer, sich daraus zu lösen.
    Aber es geht – ich für meinen Teil jedenfalls bleibe beim WIR.
    Danke für Deine wichtigen und wunderbaren Impulse
    Anja

    • silke2014 says:

      Jaaaaaaa liebe Anja, DU gehörst für mich zu den wundervollen Menschen, die das WIR-Gefühl so viel stärker machen.
      DU bist es, die auch schon lange zu „meinem WIR“ gehört. Nicht „nur“ wegen deinen wundervoll achtsamen Kursen
      sondern auch oder gerade wegen deiner so liebevollen WIR-Qualität. DANKE, dass es DICH gibt. ♥

      Herzens-Grüße
      Silke

  3. Gela says:

    Chapeau, Silke! Für solche Botschaften werden Blogs geschrieben, am besten mit genau diesem WIR-Gefühl. Für das WIR gehört er unbedingt auch geteilt. So oft wie möglich. Gerade jetzt! Also los, liebe Leser…
    Alles Liebe, Gela

    PS: Geniale Headline.

    • silke2014 says:

      WOW, danke, liebe Gela ♥
      Ein so wertschätzendes Kompliment von DIR, als Chefredakteurin des Online-Magazins LEMONDAYS hat für mich eine ganz besondere Bedeutung:
      Ich darf zwar schon seit vielen Monaten für LEMONDAYS schreiben. Doch die Teilnahme in deinem Schreibkurs „DIE BLOGARTIKEL-MASTERCLASS“ letzte Woche bei dir in Hamburg
      hat mich noch deutlich mehr inspiriert und motiviert.

      Deine unglaubliche Schreibkompetenz und die vielen praktischen Übungen an diesem genialen Wochenende haben meine eigene Schreibstimme mutiger, kreativer, klarer und auch etwas „lauter“ werden lassen.
      Lieben Dank an dieser Stelle für dein Feedback und nochmal DANKE für das gigantische Blogartikel-Masterclass-Wochenende.

      Herzlichst
      Silke

  4. Jutta Kobald says:

    Liebe Silke,
    Deine Artikel lese ich immer sehr gerne, aber dieses Mal hast Du Dich selbst übertroffen. Nicht nur, dass Du uns allen Mut machst, nein Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Es wird von den Medien eine unverschämte Angstcampagne gefahren und ich frage mich oft wovon damit abgelenkt werden soll.
    Du öffnest mit Deinem wundervoll geschriebenen Artikel uns allen die Augen und auf einmal kann man wieder das eigendlich Wichtige erkennen. DAS WIR. Danke liebe Silke

    • silke2014 says:

      Meine liebe Jutta,
      vielen Dank für deine so liebevollen Zeilen. Ich freue mich so sehr, dass der Artikel so großen Anklang gefunden hat
      und sich so viele WIR-STIMMEN zeigen. Das finde ich beruhigend. Der Artikel war mir so wichtig, weil ich in den letzten
      Tagen und Wochen gespürt habe, dass der wirklich gefählichste Virus die Angst ist. Wovon wir abgelenkt werden sollen,
      darüber lässt sich nur spekulieren. Was uns letzendlich wieder zum Punkt „müssen“ führt. Wir können uns ablenken
      lassen, müssen es aber nicht (smile). Wir können vermuten, müssen (und wissen) es aber letztendlich nicht WIRklich.
      Aber es ist wundervoll beruhigend euch allen hier in diesem großen WIR zu begegnen. Vielen lieben Dank und Herzensgrüße
      zu DIR ♥ Herzlichst Silke

  5. nymui says:

    Es ist schade, wie viel Zeit die Leute damit verbringen aufregende Tragödie und Dramen zu suchen, notfalls zu erfinden, um sich mit negativen Gefühlen zu überladen. Vielleicht wäre das Leben sonst langweilig? Dabei heißt es eigentlich immer, dass Menschen glücklich sein wollen. Glücklich sein jedoch, ist sicher schwierig, wenn man sich die ganzen negativen Krümel in einem sonst so wohltuenden, schönen Kuchen raussucht. Wenn nur ein bisschen mehr Positives geteilt würde, ein bisschen mehr Wertschätzung an das belanglose kleine Lächeln über Nichtigkeiten, dann wären die Leute im Allgemein sicher entspannter und insgesamt etwas glücklicher. Schließlich kann man durchs Zuhören und durchs Lesen viele Dinge lernen, dazu gehört bestimmt auch das Zufriedensein. Freut mich, dass du dir Gedanken gemacht hast, geteilt hast und hoffentlich auch einige Leute mehr noch zu dergleichen veranlasst hast. Ich wünsche Dir ein Lächeln, dass du mit dir lieben Leuten teilen kannst und ganz viel Sonnenschein.

    • silke2014 says:

      Liebe Maria, willkommen hier und herzlichen Dank für deine so wertvolle und mit wunderschönen Bildern bestückte WIR-Stimme ♥
      DANKE auch für das glückliche Lächeln das du jetzt auf mein Gesicht zauberst.

      Sonnige Grüße zu Dir,
      herzlichst Silke

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