Die Rauhnächte – oder die Geschichte von einem uralten Mann mit Kinderaugen.

von | 30. Aug 2023 | Persönliches und Einblicke | 1 Kommentar

Ja ist denn schon Weihnachten? Nein, zum Glück noch nicht. Aber der Sommer verabschiedet sich langsam und mir ist ein Erlebnis eingefallen, das ich Dir gerne erzählen will. Dieses Erlebnis hat vor 10 Jahren stattgefunden und hat meine Rauhnächte sehr geprägt.
Ein tiefer Seufzer will aus mir heraus.
Die Rauhnächte: Ein moderner Hype? Viel zu oberflächlich konsumiert? Oder tatsächlich eine ernst zu nehmende himmlische Hilfestellung?
Gleich noch ein Seufzer.
Dieses Mal vor Erleichterung, weil ich spüre, dass viele alte Bräuche wieder in unsere moderne Zeit zurückfinden. Vielleicht brauchen wir sie mehr denn je.

Wie alles begann

Als ich vor ungefähr 20 Jahren das erste Mal von den Rauhnächten erfahren habe, waren sie für mich wie ein Buch mit 7 Siegeln. Mystisch, geheimnisvoll, ein bisschen ungewöhnlich. Zum Glück war ich neugierig genug, wenngleich ich einen großen Respekt vor ihnen hatte.

Damals gab es noch keine hunderttausendste Wiederholung von irgendwelchen Beschreibungen und Erklärungen und es gab auch noch nicht das Wünsch-Dir-Was-Spiel mit den 13 Wunschzetteln, wobei ich dieses Ritual in späteren Jahren recht gerne auch in meine Rauhnächte übernommen und gestaunt habe, wie viel davon in Erfüllung ging.
Damals begann die Vorbereitung auf die Rauhnächte schon im Sommer, mit dem Sammeln, Trocknen und Bündeln von Kräutern, statt dem Kauf von Räucherwerk-Fertigprodukten. An Maria Himmelfahrt ließ man die Kräuterbündel weihen, weil die Legende besagte, dass zu den guten Kräuter-Energien auch die Energie der heiligen Maria auf die Kräuterbüschel übertragen werden würde.

Eine Begegnung der besonderen Art.

Es war ein heißer Sonntagmittag im Sommer 2015 als ich mit meinem Mann von der Johanniskraut-Ernte zurückkam. Wir saßen auf der Terrasse und bündelten das Johanniskraut. Mein Mann stand gerade auf der Leiter, um die Bündel unter dem Terrassendach aufzuhängen als es klingelte. Vor mir stand ein alter Mann und bat um ein Glas Wasser. Ich bot ihm – mit etwas Skepsis – einen Stuhl auf der Terrasse an. Durstig trank er das Glas in einem Zug leer.

Ich schenkte nach und schaute unauffällig zu meinem Mann, der kaum merkbar den Kopf schüttelte, aber endlich von seinem „Hochsitz“ zu uns herunterkam.
Ich war völlig durcheinander. Dieser alte Mann sah aber auch wirklich merkwürdig aus. Sein riesiger Hut hatte eine seltsame Form. Seine langen grauen Haare waren verschwitzt und zottig. Ich war fasziniert und gleichzeitig irritiert. Ich wusste nicht, wie alt er war, aber er war alt. Sehr alt. Doch seine Augen strahlten wie die eines Kindes. Wach, neugierig, offen und gleichzeitig tief wie ein Bergsee.

„Ihr macht also Kräuterbündel“ unterbrach er die Stille. „Das ist gut!“ Denkt’s aber au an die Rauhnächte, da brauchts ihr a große Portion von dem Johanniskraut. Ich nickte. Sein Blick wanderte kontrollierend zu unserer Terrassen-Decke, an der noch mehr Kräuter-Büschel hingen.

„Ihr kennt euch aus, das seh‘ ich, ihr habt viel unterschiedliches Kraut. Aber hütet euch vor dem schwarzen Holler!

Jetzt fand auch mein Mann seine Stimme wieder. Die beiden fachsimpelten über die Eigenschaften von Holunder, Beifuß, Wacholder und Salbei und anderen Zutaten. Der alte Mann betrachtete unsere Gläser die bereits gefüllt mit Wurzeln und getrockneten Rosenblüten, Lavendel, Mädesüß, Thymian, Eisenkraut und vieles mehr gefüllt waren.
In kürzester Zeit fühlte sich der seltsame alte Unbekannte an wie ein langjähriger alter weiser Freund. Wir lernten an diesem Nachmittag so viel über die Natur, die Kräuter und Bäume und über die Sagen und Legenden der Rauhnächte. Als die Sonne tiefer stand, wurde der alte Mann unruhig und verabschiedete sich mit dem innigsten Lächeln, das ich je gesehen habe. Er hat uns weder verraten, woher er kam, noch wohin er ging. 3 Sommer lang tauchte er für einen Nachmittag bei uns auf und gab uns sein Wissen und seinen Respekt für die Natur weiter.

Was weißt Du über die Rauhnächte?

Ich habe in meinem Bekanntenkreis einmal herumgefragt. Viele kennen den Begriff Rauhnächte. Manche haben die Rauhnächte auch selbst schon gemacht. Anleitungen gibt es ja mittlerweile zuhauf im Netz. Meine Fragen wurden mit „Ja klar, kenn ich die Rauhnächte, die mach ich jedes Jahr“ oder „Das ist doch der alte Brauch mit dem Räuchern!“ oder „‘Ja habe ich schon gemacht, aber das hat nix gebracht!“. Die anderen sagten, „ich habe da auch schon mitgemacht, aber schnell wieder vergessen!“ Manche hatten noch nie etwas von den Rauhnächten gehört. Oder glaubten es wäre nur eine Anleitung zum Häuser ausräuchern.
Ich fragte weiter:

Wer hat’s erfunden?

Tatsächlich sind die Rauhnächte umrankt von Mythen und Sagen und unzähligen Überlieferungen von den Germanen/Kelten und vor allem aus dem Alpenländischen Raum, in dem die Menschen bis heute mehr in ihren Traditionen verwurzelt sind.

Früher lebten die Menschen sehr naturverbunden im Einklang mit den Zyklen der Natur. Sie richteten sich nach alten Kalendern, die sich wiederum an jährlich wechselnden Sonnen- und Mondjahren orientierten.

Dabei müssen wir wissen, dass ein Mondjahr 354 Tage und ein Sonnenjahr 365 Tage hat. Um die „Differenz“ zwischen Mond- und Sonnenjahr auszugleichen, wurden also diese „fehlenden“ 11 Schalt-Tage bzw. 12 Nächte als „Schwellenzeit“ betitelt, in der sich die Natur und damit auch der Mensch komplett zurückzieht, um der Kraft des Himmels Vorrang zu geben

In dieser sogenannten „nicht existierenden Zeit“ lüften sich die Schleier zwischen unserer irdischen Welt und der sogenannten „Anders-Welt“ und wenn uns die Geister wohlgesonnen sind, dürfen wir durch die Schleier hindurchschauen.

Gruselige Vorstellung? Ganz sicher nicht, wenn wir uns den Gedanken unserer Vorfahren öffnen. Die Menschen damals waren tief verbunden und verwurzelt mit der Natur und allem, was dazugehört. Ob Mensch, ob Tier, ob Baum, ob Strauch, ob Sonne, Mond und Sterne. Sie hatten keine Hilfsmittel, wie wir sie kennen. Sie waren der Natur „ausgeliefert“ und zollten ihr Respekt. Sie baten um die Gunst des Himmels für die Ernte, für das Wetter und sie bedankten sich achtsam mit Ritualen und Opfern und innerer und äußerer Hingaben. Wann hätte dies besser gelingen können, als genau innerhalb dieses „Zeitgeschenkes“, dieser nicht existenten Zeit, in der sie ohnehin der Kraft des Himmels allen Vorrang ließen. Aus alten Überlieferungen wissen wir, dass in dieser Zeit nicht gearbeitet wurde. Vielleicht kommen auch daher die Begriffe „zwischen den Jahren“ oder „die stille oder besinnliche Zeit“?

Wir würden das heute als Zeit der Reflektion und Manifestation bezeichnen. Und genau darum geht es in den Rauhnächten.

Die Rauhnächte sind die Zeit des Dankens und des Bittens. Des Loslassens und des Visualisierens. Es ist die Zeit der Träume, der Symbole und Deutungen, der Wahrnehmung und der Wunder.
Silke Steigerwald

Sind die Rauhnächte nur etwas für spirituelle Menschen?

Auch wenn Du Dich selbst nicht als ausgeprägt spiritueller Mensch bezeichnen würdest und weder auf Räuchern noch auf Orakeln neugierig bist, bieten Dir die Rauhnächte eine wundervolle Möglichkeit, einfach mal die Alltagsgedanken zu stoppen und der Einladung des Lebens zu folgen.
Rauhnächte laden dazu ein,

  • der Stille die Türe zu öffnen und ihre Geschenke wahrzunehmen.
  • auf Dein Herz zu hören und mehr oder weniger verborgenen Sehnsüchten Platz zu machen.
  • Deinen inneren Träumen, Wünschen und Visionen ein sichtbares Bild zu bauen.
  • Mut und Kraft und Inspiration aufzutanken und
  • die eine oder andere Wahrheit zu entdecken, mit der Dir Entscheidungen leichter fallen.

Wie funktionieren die Rauhnächte?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Rauhnächte zu begehen. Die einen beginnen mit den Rauhnächten schon 4 Wochen vor der „offiziellen“ Zeit, die zwischen dem 24.12. und 06.01. liegt.

Manche beginnen mit der inneren Einkehr am 21.12. (Julnacht), wenn das Geburtsfest der Sonne gefeiert wird.

Aber immer beginnen die Rauhnächte am 24.12. und enden am 06.01. des Folgejahres. Jede einzelne Rauhnacht bezieht sich auf die fortlaufenden Monate des Folgejahres, also Rauhnacht 1 dem Januar, Rauhnacht 2 dem Februar, Rauhnacht 3 dem März usw. Für jede Rauhnacht gibt es unterschiedliche Impulse, Gedanken, Übungen, Vorsätze, Qualitäten. Neue Ideen können sich zeigen, Wünsche und Ziele können fokussierter und motivierter festgelegt werden, alte Geschichten können aufgearbeitet und umgeschrieben werden, neue Möglichkeiten und Entscheidungen werden sichtbarer, greifbarer und umsetzbarer.

Je intensiver Du diese Tage verbringst, je mehr Raum Du ihnen gibst, umso tiefer wird die Erfahrung und umso beeindruckender die Möglichkeiten, die sich zeigen.

Mein beeindruckendstes Erlebnis aus meinen letzten Rauhnächten:

Im letzten Jahr verbrachte ich die Rauhnächte allein für mich. Ich hatte mich nach dem Tod meines Mannes im Vorjahr entschieden, dass ich dieses ereignisreiche und proppenvolle Jahr ohne Ablenkung verabschieden wollte. Außerdem hatte ich eine schwerwiegende Entscheidung zu treffen, für die ich keine Lösung hatte. Ich wollte die Rauhnächte dafür nutzen, Klarheit zu finden, neue Kraft und neuen Mut aufzubauen. Wie jedes Jahr in den Rauhnächten begann ich bereits am Anfang Dezember mit Räumen, Sortieren und Platz schaffen. Ich bereitete meinen Kalender vor, berechnete die Portaltage und trug die Schwendtage ein. Ich legte ein Kartendeck bereit, suchte meine Kraft- und Entscheidungs-Tage heraus. In der Nacht vom 31.12. auf den 01.01. zog ich eine Karte auf der stand unter anderem ein Satz, der lautete: Aus schlechten Trauben lässt sich kein guter Wein keltern.

Nun mit diesem Satz hätte ich zwar alles Mögliche deuten können. Aber nur wenige Wochen zuvor gab es ein Ereignis, das mich überhaupt in dieses Entscheidungs-Dilemma gebracht hat. Und genau dieses Ereignis fand auf einem Weinberg statt.

Kannst Du Dir vorstellen, dass ich die Entscheidung plötzlich völlig sicher und standfest treffen konnte? Dass mir plötzlich völlig klar war: DAS ist die Antwort, die ich brauche.

Ich hatte mir zu Beginn der Rauhnächte (also am 24.12.) gewünscht, dass ich noch im alten Jahr erkenne, was zu tun ist. Genau am 31.12. wurde mein Wunsch erfüllt. In einer Klarheit, die mich plötzlich völlig frei und selbstbestimmt handeln ließ.

Warum ich Dir das erzähle? Weil mich in all den Jahren immer wieder Menschen fragten:
Ich sehe die Zeichen nicht? Wie kann ich sie erkennen?
Mir fällt es schwer, zur Ruhe zu kommen. Wie kann ich das in den Rauhnächten angehen?
Ich weiß eigentlich gar nicht was ich will. Finde ich in den Rauhnächten die Lösung?
Ich habe schon viele Jahre Rauhnächte-Zeremonien gemacht, aber irgendwie vergesse ich das alles wieder? Wie kann ich meine Impulse und Erkenntnisse und Zeichen ins neue Jahr übertragen?
Wieviel Zeit brauche ich für die Rauhnächte und geht das wirklich nur nachts?

Was auch immer Du wissen möchtest: Scheu Dich nicht zu fragen. Schreib mir einfach eine Mail.

Und falls Du Rauhnächte suchst,
in denen Du an die Hand genommen wirst,
die gut vorbereitet und umsetzbar sind
die weit im Folgejahr präsent bleiben und
weit über die Rauhnächte selbst hinausreichen
dann schau mal HIER.
Ich habe mir für Dich etwas WUNDER-volles einfallen lassen (Übrigens entstand diese Idee eines 3-teiligen-Rauhnächte-Kurses auch in einer Rauhnacht 😉)

Ich bin gespannt, ob DU dabei bist.
Ich freu mich auf Dich – WEIL DU WICHTIG BIST!

1 Kommentar

  1. Gisela

    jetzt kann ich das Geschriebene von Dir viel bessser nachvollziehen, ich bin dabei 🙂

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Silke Steigerwald