Nimm dich nicht so wichtig, weil du wichtig bist!

von | 21. Jan 2018 | Mentale Gesundheit und Stressmanagement | 3 Kommentare

Nimm dich nicht so wichtig, weil DU wichtig bist.

Hä? Fragst du dich jetzt ob ich mich verschrieben habe?

Nein, ganz und gar nicht, im Gegenteil, ich habe mir diesen Titel genau überlegt.

Sagst du gerade: „Das ist doch ein Widerspruch in sich ?“

Nein, finde ich nicht. Und ich sag dir auch warum:

Impulsgeber für diese Überschrift war eine Fragerunde in einer Gruppe von selbstständigen Frauen aus den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen und Berufszweigen.

Das Thema: Stress der entsteht, wenn wir unbedingt perfekt sein wollen.

Als Antistress-Trainerin® passe ich natürlich bei diesem Thema genau auf, aber zunächst blieb ich in der Runde erst nur Beobachterin.

Selbstverständlich hatten alle sofort Tipps gegen Stress griffbereit: „Mach es doch lieber so, mach es anders, mach dies, mach das, ich mach das so, mir hilft das….“.

Ich lauschte gespannt der Vielzahl von Antworten und Tipps aus allen unterschiedlichsten Berufszweigen. Ab und zu nickte ich bestätigend, das eine oder andere Mal schüttelte es mich regelrecht und irgendwann wunderte ich mich nur noch.

Mir schien, als wäre ich in einer Arbeitsgruppe von Antistresstrainern und nicht in einer Business-Gruppe gelandet. ?

OK, dass wir alle etwas über Stress wissen und ihn auch kennen, ist nicht verwunderlich. Schließlich leben wir in einer Zeit, in der uns weiß gemacht wird, dass scheinbar alles, wirklich alles noch schneller, noch besser, noch optimierter und suboptimal strukturierter, aber vor allem perfekt gehandhabt werden MUSS.

Was ist eigentlich mit uns Menschen los?

Zugegeben, der Druck wächst. Auf jeden von uns. Und die Zeiger des Selbstverwirklichungs-Branche ticken auf Anschlag.

Natürlich hat – welch ein (Un-)Glück, unsere perfektionierte Welt für alle Probleme sofort eine perfekte Lösung.

Hier eine App, da ein Tool, hier eine coole Online-Todo-Liste (schließlich macht man das nicht mehr von Hand!!!!) hier ein automatisierter Account, dort ein Online-Kurs, da eine schicke FB-Seite, dort ein Twitterchen.

Einerseits nötigt uns das alle zu einer Sofort-Reaktion (die früher oder später Stress auslöst), und andererseits halten wir gleichzeitig alles fest. Mit unseren Handys, unseren Smartphones, in unserem Online-Kalender….

Fast nebenbei clicken unsere Finger ständig auf irgendein Gerät, Hauptsache der Click ist gemacht. Unsere Augen arbeiten mit springendem Blick über Nachrichten, Emails, Fotos, Sprüche und nicht selten schauen viele überrascht (um das Wort neidvoll zu vermeiden) auf all diejenigen, die es scheinbar geschafft haben (Wie machen die das nur???? Getreu dem Motto: „Arbeitest du noch selbst, oder bist du schon perfekt automatisiert online?).

Was mich aber wirklich immer wieder richtig erstaunt, ist der unstillbare Wunsch nach Perfektion.

Vor lauter Perfektion wollen wir auch noch die Perfektion perfekt strukturieren.

(Silke Steigerwald)

Mittlerweile – so scheint es mir – ist fast jeder Selbstständige, unabhängig von seiner Branche gleichzeitig zum Coach für bzw. gegen Stress geworden.

Der Online-Spezialist coacht dich für eine entspannte, aber perfekt automatisierte Time-Line-Strategie, weil wir ja von überall aus entspannt arbeiten müssen.

Der FB-Spezialist optimiert zum Stressbewältigungs-Coach, damit du stressfrei für die Reichweite sorgst.

Der Mama-Coach sagt dir, dass du unbedingt mit einer App arbeiten musst, die deinen Tag perfekt strukturiert, weil Mamas grundsätzlich alles hinkriegen müssen.

Der Ehe- und Familienberater mahnt zum gemeinsamen Online-Kalender, damit gemeinsame Zeiten perfektioniert und optimiert festgehalten wird, denn miteinander reden kostet viel zu viel Zeit.

Es gibt sogar Coaches, die dir dein Business perfekt entspannen, weil Selbstständigkeit ja ausschließlich Spaß machen und nicht in Stress ausarten soll.

Mal ganz ehrlich:

Der Hang und Drang zur Perfektion war im frühesten Ansatz für Maschinen angedacht. Nicht für Menschen!

(Silke Steigerwald)

Aber wen interessiert das heute noch?

Wir alle rennen wie die Bekloppten nach dem perfekten Outfit, der perfekten Online-Strategie, der perfekten Zielgruppen-Methode, der perfekten Werbung, der perfekten Todo-Liste, dem perfekten Logo, der perfekten Ernährung, dem perfekten Energie-Öl, der perfekten Erziehung, dem perfekten Work-Out, der perfekten Entspannung im perfekten Wellness-Tempel für den perfekten Sparpreis, und letztendlich nach dem perfekten „Wie kann ich noch perfekter werden“

Ok, vielleicht findest du mich jetzt altmodisch!

Das macht mir – ehrlich gesagt – gar nichts. Ich steh nun mal mehr auf echte „normale“ Menschen und echten lebendigen Austausch, auch in meinen Seminaren. (Warum ich noch immer keine perfekt automatisierten Online-Workshops mache,  erzähle ich dir mal bei Gelegenheit.)

Doch zurück zu meiner Überschrift:

Nimm dich nicht so wichtig, WEIL DU WICHTIG BIST!

Um das ein bißchen besser zu erklären, stell ich dir einfach folgende Frage:

Hast du dich eigentlich in den letzten Wochen irgendwann mal gefragt, wann du lebst?

Die meisten von uns wissen wahrscheinlich WOFÜR sie leben. Die einen für den Job, die anderen für die Kinder, die nächsten fürs Geld und wieder andere immerhin für ihren Traum.

Aber wann lebst du wirklich? Wenn du erfolgreich bist? Wenn du Anerkennung hast? Wenn du reich bist? Wenn du alles perfektioniert hast?

Glaubst du wirklich, dass dich das (noch) lange nährt?

Warum sehnen sich denn überhaupt so viele Menschen nach Selbstverwirklichung und Selbstständigkeit? Wenn sie sich dann doch am Ende wieder im Stress-Strudel ihres Konkurrenz-Denkens und ihrem „Ich bin noch immer nicht gut genug“-Perfektionismus selbst verlieren?

 

Das Leben ist keine Übung für PERFEKTION, das Leben ist eine Übung für’s  LEBEN!

(Silke Steigerwald)

Übrigens für dein Leben (denn im Moment hast du kein anderes) ! Aber das kann ja bei all dem Stress schon mal vergessen werden!

Auch wenn ich keine App kenne, die dich ans Leben erinnert, (was ja schon traurig genug ist!) bin ich davon überzeugt: es gibt sie irgendwo, spätestens nach diesem Blogartikel, grins).

Ich habe auch noch nie eine Todo-Liste gesehen auf der an 1. Stelle steht: „Na, heute schon gelebt?“ (ich sehe schon vor meinen inneren Auge, wie sich viele diese Idee krallen! Das wäre mal richtig schön.)

Aber was hilft dir wirklich, deinen Stress-Level zu senken?

  • Brauchst du ein ultraoptimiertes Zeiteinteilungs-Tool, das Unvorhergesehenes vorhersieht und perfekt einplant?
  • Brauchst du endlich eine tolle App, die deine vielen Termine mit dem Kinderarzt koordiniert?
  • Brauchst du einen Online-Kurs mit den 100 besten Tipps, wie du ganz bequem von zuhause aus zwischen Selbstständigkeit und Kochen, zwischen Kinderkriegen und Partnersuche entspannt bleiben kannst? Oder
  • Brauchst du vielleicht einen Coach, der um 21 Uhr online direkt zur dir nach Hause kommt, weil du ja schließlich nie den Gedanken hattest, dass du „einfach nur mal raus“ willst?

Dann kann ich dir nicht helfen. Denn ich bin altmodisch. Bei mir musst du deinen Bildschirm für ein Wochenende ausschalten und deinen Hintern hochheben. Bei mir musst du dir ein Wochenende freischaufeln, wenn du mal wirklich runterfahren willst. Bei mir musst du dir deine Jacke schnappen und in ein Seminar kommen, wenn du mal richtig durchatmen und deine Reserven auffüllen willst.

Pech gehabt. Nix mit bequem von zuhause aus.

In meinen Workshops kannst du keine Kids ins Bett drängeln, damit du online gehen kannst.  Bei mir kannst du auch keine Whatsapp-Nachrichten halbstündlich beantworten und beim Kochen nebenbei deine Emails checken. Bei mir kannst du auch nicht zwischen Wäschebergen deine Termine koordinieren.

Bei mir musst du dich auf kreative Übungen einstellen, die dich wirklich ganz nah zu dir selbst bringen, damit du endlich wieder weißt, wer du wirklich bist. Bei mir kannst du auch nicht nur so beiläufig zuhören und nebenher weiterclicken, sondern musst ganz wach dran bleiben, damit du das findest, was du wirklich willst und dann auch dran bleiben kannst.

Falls du aber gerade tatsächlich vor lauter Stress nicht weißt, was hinten und vorne ist, dann hab ich jetzt eine Idee für dich:

Halte dafür kurz inne und steige einfach aus der ganzen Wichtigtuerei aus, denn:

Die Welt bleibt nicht stehen,  nur weil du

  • deine Todo-Liste nicht mit Trello schreibst, oder
  • die Vorgaben deines Redaktionsplanes nicht erfüllt hast
  • für deinen letzten Post keine 27 Likes bekommen hast
  • einen Termin vergessen hast oder absagen musstest
  • heute noch nicht auf FB warst
  • noch keinen Online-Kalender mit dir rumträgst
  • deine Wäscheberge nicht bezwingen konntest
  • kein perfektes Essen gezaubert hast mit dem kranken Kind auf dem rechten Arm und dem Handy in der linken Hand.
  • usw.

Steig aus der ganzen Wichtigtuerei aus. Lehne dich für einen Moment zurück, atme durch und gönne dir 3 winzig kleine Gedanken:

Gedanke 1: Ich bin immer gut genug. Genau jetzt.

Gedanke 2: Ich gebe immer mein Bestes. Genau jetzt.

Gedanke 3: Ich lebe.

Und plötzlich spürst du, dass einzig und allein DU wichtig bist.

Für dich.

Für das Leben.

Für DEIN LEBEN.

Oder um es mit einem Zitat meines Mannes auf den Punkt zu bringen:

Den Wind interessiert es einen Sch…, ob jemand am Strand sitzt. Er ist einfach da.

In diesem Sinne, entspann dich und nimm dich nicht so wichtig!

WEIL DU WICHTIG BIST!

Herzlichst Silke

 

 

 

3 Kommentare

  1. Elke Weigel

    Deine sinnhaften Sprüche und Zusammenfassungen sind einfach genial!
    Einprägsam und wirksam. Ich mag das sehr.
    Vielen Dank fürs Wachrütteln!
    Herzliche Grüße
    Elke Weigel

    Antworten
    • silke2014

      Liebe Elke, herzlichen Dank für dein liebevolles Feedback.
      Ich freue mich jedes Mal so sehr, wenn meine Gedanken „da draußen“
      ankommen und sich irgendjemand darin wieder findet.
      Vielen lieben Dank
      Herzlichst Silke

      Antworten
  2. Elke

    Liebe Silke,
    du hast es mal wieder wunderbar auf den Punkt gebracht. Im Optimierungswahn vergessen wir oft das Wesentliche – ich muss mir da an die eigene Nase fassen. Ja, es gibt Bereiche, da muss ich optimieren. Weil es so einfach nicht weitergehen kann. Und in anderen Bereichen, da dürfen die Dinge auch einfach mal so sein, wie sie sind: Da, aber nicht perfekt, dafür menschlich.

    Mein Dirigent hat es letzte Woche auch schön gesagt: Bei aller Kritik sollten wir nicht vergessen, was wir schon erreicht haben. Das aus dem Munde eines Perfektionisten hat sich richtiggehend bei mir eingebrannt. Diese latente Unzufriedenheit vieler Menschen finde ich einfach nur anstrengend.
    Liebe Grüße
    Elke

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Melde dich zu meinem Newsletter an!

Silke Steigerwald